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Claus Sendlinger, Gründer und Vorstandsvorsitzender von Design Hotels AG
26.09.2012, Kategorie: Nachhaltige Projekte

Nachhaltige Hotellerie - was steckt hinter dem neuen Trend "sanfter Tourismus"?

Reisen wird immer mehr zur Gewissenssache. Hotels weltweit reagieren darauf und werden grüner und nachhaltiger - in vielen Bereichen. 

 

Der Megatrend Nachhaltigkeit macht auch vor der Tourismusbranche keinen Halt. Immer mehr Menschen leben im Alltag nachhaltig und wollen darauf auch im Urlaub nicht verzichten. Eine weltweite Studie von Accor zeigt: 70% der Hotelgäste sind sogar bereit, für ein nachhaltig handelndes Hotel mehr zu bezahlen. Daraus ergeben sich für Hoteliers interessante Potenziale: zum einen senken sie durch intelligentes Energiemanagement und moderne Technik ihre Ausgaben, zum anderen steigern sie ihr Image und können mehr für ihr Angebot verlangen. 

 

Mitten im Herzen von München gibt es seit 2011 ein Nullenergie-Hotel. Das Campo dei Fiori verwöhnt seine Gäste mit einem guten Gewissen. Versorgt werden sie ausschließlich mit selbst erzeugter, aus regenerativen Quellen gewonnener Energie. Das Duschwasser wird für die Toilettenspülung verwendet, natürlich erst, nachdem man auch daraus die Wärmeenergie zurück gewonnen hat. Das nachhaltige Handeln endet nicht im Foyer: den Hotelgästen stehen Fahrräder und Elektroautos zur Verfügung. Noch einen Schritt weiter geht das schweizer Muottas Muragl in Samedan. Es ist das erste Plusenergie-Hotel im Alpenraum. Nach der energetischen Sanierung 2010 des über 100 Jahre alten Gebäudes konnte der Energieverbrauch um 64% gesenkt werden. Auf knapp 2500 Höhenmetern produziert das Muottas Muragl mehr Energie, als es verbraucht. 

 

Nachhaltigkeit ist nicht nur eine Frage der Energie

Der aktuelle Trend im Bereich „Nachhaltige Hotellerie“ geht noch weiter. Er geht über die Senkung des Energieverbrauchs, des CO2-Ausstoß und des Abfallaufkommens hinaus. Claus Sendlinger, Gründer und Vorstandsvorsitzender von „Design Hotels AG“, gilt als zukunftsweisender Kopf in der Tourismusbranche. Auf Vorträgen spricht er regelmäßig über Trends und die Zukunft der Hotellerie. Für ihn macht ein gutes Hotel ein schlüssiges Gesamtkonzept aus: Architektur, Design, Marke, Authentizität, die Macher und Nachhaltigkeit müssen ein stimmiges Gesamterlebnis für den Gast ergeben. Allianz pro Nachhaltigkeit hat sich mit dem in Tulum (Mexico) lebenden Augsburger über Reisen, Leben und sein persönliches Engagement unterhalten. 

 

 

Im Gespräch mit Claus Sendlinger

Claus Sendlinger

Herr Sendlinger, Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Was steckt für Sie in dem bisweilen sehr strapazierten Begriff? 

Für mich bedeutet Nachhaltigkeit den bewussten Umgang und die Erhaltung natürlicher Ressourcen. Es reicht nicht nur, Nachhaltigkeit auf dem Papier zu leben. Es muss sich in der gesamten Lebensweise widerspiegeln. 

 

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit für die moderne Hotellerie?

Eine sehr wichtige. Die Menschen suchen ihr Reiseziel und ihr Hotel immer mehr unter nachhaltigen Aspekten aus. Wie fügt sich das Hotel in die Umgebung ein? Was kann ich hier Unvergessliches erleben? Wie nachhaltig wird meine Erholung sein? Wenn ein Hotel in Zukunft erfolgreich sein will, muss es sich in dieser Hinsicht engagieren. 

 

Wie engagiert sich Design Hotels für Nachhaltigkeit? 

Wir haben gemeinsam mit EC3 Global, einem Umweltberatungsunternehmen, ein Nachhaltigkeitsprogramm initiiert. Unser Ziel ist, dass alle Mitgliedshotels dem Earth Check Audit von EC3 Global unterzogen und ihnen so Wege aufgezeigt werden, wie sie ihren gesamten Hotelbetrieb nachhaltiger gestalten können. Wir möchten, dass das Thema Nachhaltigkeit in den Köpfen der Hoteliers verankert wird. Außerdem haben wir schon vor einigen Jahren auf unserem Future-Forum das Thema „Sustainability“ behandelt und auch dieses Jahr werden auf unserer Mitgliederkonferenz Nachhaltigkeits-Experten sprechen.  

 

Claus Sendlinger, Gründer und Vorstandsvorsitzender von Design Hotels AG, ist Beratungs-, Vermarktungs- und Positionierungsdienstleister für Inhabergeführte Hotels und kleine Hotelgruppen im New Luxury Segment
Claus Sendlinger

Heißt nachhaltig Reisen & Leben auch verzichten? 

Idealerweise sollte man auch mal verzichten. Aber hauptsächlich bedeutet es, bewusstere Entscheidungen zu treffen. Wenn man sich z.B. ein teures Möbelstück kauft und sich damit einen Luxus leistet, kann man sich dabei bewusst für recyceltes Material oder ein Produkt mit einer langen Lebensdauer entscheiden. Oder für eines, das die Handwerkskunst einer Region unterstützt.

 

Hat Nachhaltigkeit eine Zukunft oder ist sie einfach nur sehr in Mode? 

Natürlich ist sie gerade sehr in Mode, aber Dank dessen bekommt Nachhaltigkeit die nötige Aufmerksamkeit und hält Einzug in den Alltag der Menschen. Da in sämtlichen Lebensbereichen Nachhaltigkeit immer stärker in den Vordergrund rückt und auch künftig Handlungsbedarf bestehen wird, denke ich, dass es auf alle Fälle die Währung der Zukunft sein wird. 

 

Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Hat die Nachhaltigkeit auch Einzug in Ihr Leben und Ihren Alltag gefunden? 

Ja, das hat es. Ich unterstütze z.B. privat die Montessori Schule in Tulum, die mein Sohn besucht, und spende unter anderem meine Rednerhonorare. Mit Finding Infinity arbeiten wir gerade an einem Konzept für das Papaya Playa Project in Tulum, wo wir eine Reihe an nachhaltigen Maßnahmen etablieren. Wir möchten dort die Müllproduktion um 80 – 100% senken, indem wir Biogas zum Kochen herstellen. Unser Engagement geht sogar noch über das Resort hinaus, denn wir unterstützen auch die lokale Gemeinde und haben z.B. zwei Schulen mit Solarenergie ausgestattet.  

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

 

Augsburg, 11. Juli 2012

 

 

Nachhaltige Mitbringsel aus dem Urlaub

Jeder einzelne kann sich im Urlaub nachhaltiges Handeln für das eigene Zuhause abschauen. Ein bewusstes Verhalten, z.B. konsequentes Lichtausmachen beim Verlassen eines Raumes, wie in Hotels mit intelligentem Energiemanagement üblich, ist eine Möglichkeit.

 

Effektiver ist sicherlich die Überprüfung der eigenen Haustechnik. Eine neue Heizungsanlage reduziert in der Regel den Energiebedarf eines Haushalts um 30% (im Vergleich zu einem etwa 15 Jahre alten Gerät). Insbesondere beim Neubau eines Hauses stehen den Bauherren viele Möglichkeiten zur Verfügung.

 

Die Allianz pro Nachhaltigkeit informiert Sie gerne auf dieser Plattform.

 

 

Sie möchten mehr über die nachhaltige Zukunft der Hotellerie erfahren? Wir empfehlen Ihnen folgende Links:

 

Zeit Online: Nullrunde für Hotels, 2. Juni 2010 

P.M. Welt des Wissens: Deutschlands erstes Null-Energie-Hotel

ACCOR Sustinable Development, Englischsprachiges Web-Portal

Lufthansa Magazin: Seite 38-39, Februar 2012, PDF  11,6 MB

Romantik Hotel Mouttas Muralg

 

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Allianz Pro Nachhaltigkeit
Allianz Pro Nachhaltigkeit schrieb am 11.12.2012 13:51 Uhr

Schön, dass es nachhaltige Hotels gibt. Warum sollte man nicht auch im Urlaub an die Umwelt denken? Dann erhält man wenigstens die schönen Gegenden, in die man reist. Toller Artikel!

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